BREAKNG NEWS: Eine erste Publikation aus ANA ist in „Obesity“ erschienen, der weltweit zweitgrößten Adipositas-Fachzeitschrift. Titel: Dietary restraint and impulsivity modulate neural responses to food in adolescents with obesity and healthy adolescents. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26381395)

ANA – Eine Studie zu neuronalen Korrelaten von essensbezogenen Auffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter der Universität Salzburg (Fachbereich Psychologie) in Kooperation mit den Salzburger Landeskliniken

 

Gedanken zu Essen
Essen ist wichtig. Wenn wir essen, dann weil wir Hunger haben – so ist es von der Natur sinnvoll eingerichtet. Dafür teilt der Körper dem Gehirn mit er brauche diese und jene Nahrung, worauf das Gehirn den Körper so durch seine Umwelt steuert, damit die Chance auf das Auffinden der entsprechenden Nahrung maximiert wird. Ist der Körper ausreichend mit Nahrung versorgt, meldet er zum Gehirn: „Es reicht jetzt, ich bin satt.“ So weit so gut. Jetzt scheint es aber gerade bei uns Menschen Gehirne zu geben, welche auf diese Information hin nicht zufrieden sind, mehr möchten. Geht man jetzt davon aus, dass das Gehirn den Körper steuert, dann kann sich unser Denkappa

rat über den Körper hinwegsetzen und sagen „Ist mir egal, ich will mehr essen.“ Der Körper gehorcht, es wird mehr gegessen.
Wieso ist das so? Das ist eine der Grundfragen mit der sich Gehirnforscher der Universität Salzburg beschäftigen. Um die Gesetzmäßigkeiten eines bestimmten Themas zu untersuchen, nehmen Forscher gerne besonders jene Aspekte dieses Themas unter die Lupe, welche abweichend vom „Normalen“ sind. Fachjargon: Die Pole der Normalverteilung. Das Projekt „ANA“ beschäftigt sich daher speziell mit auffälligeren Abweichungen der Essverhaltensnorm und Essstörungen.

Was wird konkret erforscht?
In Kooperation mit den Salzburger Landeskliniken werden an der naturwissenschaftlichen Fakultät EEG-Messungen (Elektroencephalographie, Aufzeichnung von Gehirnströmen) gemacht, und zwar mit der Forschungsfrage: Welche sind die neuronalen Korrelate von Adipositas im Kindes- und Jugendalter, und was bedeuten diese? Also welche konkreten Unterschiede hängen mit Adipositas im Gehirn eines Adipösen zusammen? Man weiß heute bereits, dass sich bei stark übergewichtigen Menschen andere Gehirnareale aktiv zeigen wenn diese an hochkalorische Nahrung denken als dies bei normalgewichtigen Menschen der Fall ist. Außerdem weiß man, dass bestimmte Komponenten einer EEG-Messung (bspw. LPP) sich unter Essensdarbietung zwischen Über- und Normalgewichtigen unterscheiden. Zudem wissen wir heute, dass es sich bei vielen übergewichtigen Menschen um eine Esssucht handelt. Diese Sucht unterscheidet sich im subjektiven Erleben des Süchtigen nicht von Spiel- oder Nikotinsucht. Der große Unterschied aber: Esssüchtige, im Gegensatz zu Nikotinsüchtigen, können selbst im günstigsten Fall nicht einfach damit aufhören. Suchtkomponenten wurden im EEG ebenfalls bereits erforscht.
ANA möchte hier anschließen und tiefer gehen (experimentell manipulieren), und sucht daher Antworten auf die Fragen: Zeigen adipöse Kinder und Jugendliche andere neuronale Aktivität als normalgewichtige wenn ihnen Essensstimuli präsentiert werden? Unterscheiden sich die neuronalen Abläufe hinsichtlich der Energiedichte (Kaloriengehalt) des präsentierten Nahrungsmittels? Ist dabei die tatsächliche Verfügbarkeit des Essens ausschlaggebend, oder reicht es, wenn den TeilnehmerInnen Essen am Bildschirm präsentiert wird? Gibt es neuronale Unterschiede in der Verarbeitung von Essensstimuli zwischen Esssüchtigen und Nicht-Esssüchtigen? Welche und weshalb?

Was bringt diese Forschung?
Wie immer wenn man etwas ändern will, muss man erst verstehen wie dieses etwas funktioniert. Beispiel: Wenn wir heute wissen, dass, objektiv messbar, Esssucht im Gehirn die gleichen Abläufe bedingt wie Spiel- oder Nikotinsucht, haben wir morgen die Chance bei der Behandlung Esssüchtiger umzudenken. Und uns bei den Kollegen der Suchttherapie wichtige Techniken abzuschauen, die dort schon funktionieren, nur bei Adipositas noch nie angewandt wurden weil man davon ausgeht es wäre keine Sucht. So hofft ANA langfristig positiv zu Verbesserung von Behandlungsmöglichkeiten beitragen zu können, und will helfen Gewichts- und Folgeprobleme gar nicht erst entstehen zu lassen.

Dies ist eine spezielle Herausforderung, der wir uns gerne und professionell stellen.

Facebook-Seite des ANA-Labors: https://www.facebook.com/ClinicalStressAndEmotionLab

Literaturhinweise, weitergehende Fragen und Diskussionen werden gerne gegeben, beantwortet und geführt. Einfach Mail an: johannes.hofmann@stud.sbg.ac.at